
Eltern schenken zur Hochzeit ihres Kindes in Deutschland durchschnittlich 100 bis 500 Euro pro Person oder übernehmen einen konkreten Kostenposten wie das Brautkleid, die Location oder das Catering1. Legt man mit den Schwiegereltern zusammen, kommen häufig über 1.000 Euro zusammen. Wichtiger als der Betrag ist jedoch die persönliche Bedeutung des Geschenks.
Übliche Geldbeträge nach Situation
Die Höhe des Elterngeschenks hängt von mehreren Faktoren ab: der finanziellen Situation, der Tradition in der Familie und dem Verhältnis zum Kind. Hier ein Überblick über typische Beträge im DACH-Raum:
| Situation | Deutschland | Österreich | Schweiz |
|---|---|---|---|
| Brauteltern (traditionell) | 500–2.000€ | 500–2.500€ | 1.000–5.000 CHF |
| Bräutigameltern | 300–1.000€ | 300–1.500€ | 500–3.000 CHF |
| Einzelnes Elternteil | 100–500€ | 100–500€ | 200–800 CHF |
| Geschiedene Eltern (je Person) | 100–300€ | 100–300€ | 150–500 CHF |
| Großeltern | 100–200€ | 100–250€ | 150–400 CHF |
In der Schweiz liegen die Beträge generell höher, da auch die durchschnittlichen Hochzeitskosten mit 25.000 bis 55.000 CHF deutlich über dem deutschen Durchschnitt von rund 15.500 Euro liegen23.
Vergleich mit anderen Gästen
Um die Elterngeschenke einzuordnen, hier ein Vergleich mit typischen Beträgen anderer Gäste1:
| Beziehung | Betrag pro Person |
|---|---|
| Eltern | 100–500€ |
| Großeltern | 100–200€ |
| Trauzeugen | 100–200€ |
| Geschwister | 100–150€ |
| Enge Freunde | 50–100€ |
| Arbeitskollegen | 30–50€ |
| Bekannte | 20–50€ |
Eltern schenken also deutlich mehr als andere Gäste – allerdings nicht nur aus finanziellen Gründen. Die emotionale Bedeutung des Tages und der Wunsch, das Kind bestmöglich zu unterstützen, spielen eine zentrale Rolle.
Beliebte Geschenkideen von Eltern
Nicht jedes Elterngeschenk muss aus Bargeld bestehen. Viele Familien bevorzugen es, einen konkreten Beitrag zur Hochzeit oder zum Start ins Eheleben zu leisten.
Finanzielle Unterstützung
Die häufigsten finanziellen Geschenke von Eltern sind:
- Übernahme von Hochzeitskosten – Location, Catering oder Fotograf direkt bezahlen
- Brautkleid finanzieren – traditionell Aufgabe der Brauteltern (durchschnittlich 1.358€)2
- Anzahlung für Wohnung oder Haus – ein praktisches Geschenk mit langfristigem Wert
- Flitterwochen sponsern – für unvergessliche erste Urlaubstage als Ehepaar
- Hochzeitskasse aufstocken – flexible Unterstützung nach Wunsch des Paares
Materielle Geschenke
Sachgeschenke haben oft einen besonderen emotionalen Wert:
- Familienerbstücke – Schmuck, Uhren, Porzellan oder Silberbesteck, das Generationen verbindet
- Möbel für die erste Wohnung – Sofa, Bett oder Esstisch als Grundstein des gemeinsamen Haushalts
- Haushaltsgeräte – hochwertige Küchenmaschinen oder Elektrogeräte für den Alltag
- Kunstwerke oder Antiquitäten – persönliche Stücke mit Geschichte
Emotionale Geschenke
Manchmal sind die wertvollsten Geschenke nicht käuflich:
- Persönlicher Brief – Worte der Liebe, Weisheit und gute Wünsche für die Ehe
- Hochzeitsalbum der eigenen Hochzeit – als Inspiration und Familiengeschichte
- Familien-Kochbuch – mit Rezepten, die über Generationen weitergegeben wurden
- Selbstgemachtes – etwa ein Quilt aus Stoffen der Kindheit oder ein graviertes Schmuckstück
Tradition vs. moderne Praxis im DACH-Raum
Die Erwartungen an Eltern haben sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt.
Traditionelle Rollenverteilung
Historisch gesehen trugen die Brauteltern die Hauptlast der Hochzeitskosten. Diese Tradition geht auf Zeiten zurück, in denen Töchter kein eigenes Einkommen hatten4. Die klassische Aufteilung sah so aus:
Brauteltern übernahmen:
- Hochzeitsfeier und Empfang
- Brautkleid und Accessoires
- Hochzeitstorte und Dekoration
- Einladungskarten und Drucksachen
Bräutigameltern übernahmen:
- Anzug und Kleidung des Bräutigams
- Polterabend
- Anteilige Bewirtungskosten
- Übernachtungskosten für Gäste
Der Bräutigam zahlte:
- Trauringe
- Brautstrauß
- Flitterwochen
- Standesamt- und Kirchengebühren
Moderne Realität
Heute hat sich das Bild komplett gewandelt. Die große Hochzeitsstudie 2024 zeigt2:
- Über 75% der deutschen Paare finanzieren ihre Hochzeit komplett selbst
- Etwa 17% erhalten Zuschüsse von den Eltern
- Nur 1,9% lassen alles von den Eltern bezahlen
Diese Entwicklung gibt Paaren mehr Freiheit bei der Gestaltung, entbindet Eltern aber auch von traditionellen Verpflichtungen. Ein Geschenk ist heute eine freiwillige Geste der Unterstützung – keine gesellschaftliche Pflicht.
Regionale Unterschiede
In Österreich und besonders in ländlichen Regionen Bayerns halten sich traditionelle Erwartungen länger. Hier übernehmen Brauteltern häufiger größere Anteile der Kosten.
In der Schweiz ist die Tradition ähnlich modernisiert. Eltern übernehmen oft spezifische Posten (Brautkleid, Location, Catering) anstelle von Pauschalbeträgen3.
Geschenk für Sohn vs. Tochter
Gibt es Unterschiede, je nachdem ob Sohn oder Tochter heiraten?
Traditionelle Unterschiede
Historisch schenkten Brauteltern mehr als Bräutigameltern, da sie die Hauptkosten trugen. Die Tochter erhielt oft:
- Finanzierung des Brautkleids
- Familienschmuck (Perlenkette, Ohrringe der Großmutter)
- Aussteuer und Haushaltsgegenstände
Der Sohn hingegen bekam typischerweise:
- Familienuhren oder Manschettenknöpfe
- Unterstützung für den Anzug
- Beitrag zur ersten Wohnung
Moderne Gleichbehandlung
Heute behandeln die meisten Familien Söhne und Töchter gleich. Entscheidend ist nicht das Geschlecht, sondern:
- Die finanzielle Situation der Eltern
- Die Wünsche des Paares
- Die familiäre Tradition
Tipp: Besprechen Sie als Eltern frühzeitig mit Ihrem Kind, welche Art von Unterstützung gewünscht ist. Manche Paare bevorzugen Geld, andere freuen sich über die Übernahme eines konkreten Postens.
Wann und wie das Geschenk übergeben?
Das Timing und die Präsentation des Elterngeschenks verdienen Aufmerksamkeit.
Vor der Hochzeit
Größere finanzielle Beiträge sollten vor der Hochzeit übergeben werden:
- Ermöglicht dem Paar bessere Planung
- Hilft bei der Finanzierung konkreter Posten
- Vermeidet peinliche Situationen mit Rechnungen
Am Hochzeitstag
Emotionale Geschenke entfalten ihre Wirkung am besten am Tag selbst:
- Beim Getting Ready – Schmuck oder Erbstücke überreichen
- In einem ruhigen Moment – persönlicher Brief vorlesen
- Bei der Feier – öffentliche Übergabe mit kurzer Rede (optional)
Nach der Hochzeit
Praktische Geschenke für die Wohnung können auch nach der Hochzeit übergeben werden:
- Ermöglicht Abstimmung mit anderen Geschenken
- Kann bei Einzug in die neue Wohnung erfolgen
- Keine Stress am Hochzeitstag
Praktische Tipps für Eltern
Als Eltern möchten Sie natürlich das Beste für Ihr Kind. Hier sind bewährte Empfehlungen:
-
Frühzeitig kommunizieren – Sprechen Sie 6-12 Monate vor der Hochzeit über Ihre Möglichkeiten und die Wünsche des Paares
-
Kein Vergleich mit anderen – Schenken Sie nach Ihren Möglichkeiten, nicht nach gesellschaftlichem Druck
-
Keine Bedingungen stellen – Ein Geschenk sollte ohne Erwartungen gegeben werden (etwa Mitsprache bei der Planung)
-
Schwiegereltern abstimmen – Vermeiden Sie Konkurrenz oder Ungleichgewichte durch offene Kommunikation
-
Emotionalen Wert bedenken – Ein persönlicher Brief oder Familienerbstück kann wertvoller sein als Geld
-
Flexibel bleiben – Manche Paare wissen erst später, was sie brauchen. Ein Gutschein oder offenes Angebot ist völlig legitim
-
Eigene Grenzen respektieren – Verschulden Sie sich nicht für die Hochzeit Ihres Kindes. Das Paar wird Ihr Geschenk schätzen, unabhängig vom Betrag
Besondere Situationen
Geschiedene Eltern
Bei Scheidungsfamilien gelten eigene Regeln:
- Jedes Elternteil schenkt separat nach eigenen Möglichkeiten
- Keine Verpflichtung zur Abstimmung mit dem Ex-Partner
- Vermeiden Sie Konkurrenz oder „Übertrumpfen"
- Das Kind sollte nicht in Loyalitätskonflikte geraten
Patchwork-Familien
Stiefeltern können, müssen aber nicht schenken:
- Die Beziehungsqualität ist entscheidend
- Ein kleineres, persönliches Geschenk ist oft passender als große Geldbeträge
- Abstimmung mit dem leiblichen Elternteil empfohlen
Finanzielle Engpässe
Wenn das Budget knapp ist:
- Ehrlichkeit gegenüber dem Kind ist besser als Schulden
- Zeit und Hilfe bei der Organisation sind wertvolle Geschenke
- Ein selbstgemachtes Geschenk mit persönlicher Note kostet wenig, bedeutet aber viel
Zweite Hochzeit des Kindes
Bei einer Wiederheirat gelten andere Erwartungen:
- Geringere Beträge sind völlig akzeptabel (oft 50–200€)
- Der Fokus liegt weniger auf materiellen Geschenken
- Emotionale Unterstützung und Anwesenheit zählen mehr
- Manche Eltern schenken etwas für die neue gemeinsame Wohnung
Hochzeit im Ausland (Destination Wedding)
Wenn das Kind im Ausland heiratet:
- Die Reisekosten der Eltern können bereits als Geschenk gelten
- Absprache mit dem Paar ist besonders wichtig
- Ein kleineres Geldgeschenk zusätzlich zur Reise ist üblich
- Manche Eltern finanzieren stattdessen eine Feier in der Heimat
Steuerliche Aspekte
In Deutschland können Eltern ihren Kindern alle zehn Jahre bis zu 400.000 Euro steuerfrei schenken (Freibetrag nach §16 ErbStG). Hochzeitsgeschenke in üblichen Beträgen (bis einige Tausend Euro) sind daher steuerlich völlig unproblematisch. In Österreich und der Schweiz gelten ähnliche großzügige Freibeträge für Schenkungen an Kinder.
Dennoch empfiehlt es sich bei größeren Summen (etwa einer Hausanzahlung), die Schenkung schriftlich zu dokumentieren – nicht aus steuerlichen Gründen, sondern für Klarheit in der Familie.
Fazit
Das perfekte Elterngeschenk zur Hochzeit ist keine Frage des Betrags, sondern der Bedeutung. Ob 200 Euro, 2.000 Euro oder ein Familienerbstück ohne Geldwert – entscheidend ist, dass das Geschenk von Herzen kommt und die finanzielle Realität der Eltern respektiert.
Die Tradition, dass Brauteltern die gesamte Hochzeit finanzieren, ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz längst überholt. Moderne Paare schätzen jede Form der Unterstützung – sei es finanziell, praktisch oder emotional.
Erfahren Sie mehr darüber, wer traditionell die Hochzeit bezahlt oder informieren Sie sich über die aktuellen Hochzeitskosten, um einen Überblick über typische Budgets zu erhalten.
Quellen und Referenzen
Footnotes
-
Ehemomente Hochzeitsmagazin, So viel Geld schenkt man zur Hochzeit, 2024. https://ehemomente.de/hochzeitsmagazin/so-viel-geld-schenkt-man-zur-hochzeit/ ↩ ↩2
-
Bridal Times, Die große Hochzeitsstudie 2024, 2024. https://www.bridal-times.com/de/die-grosse-hochzeitsstudie-2024/ ↩ ↩2 ↩3
-
EventButler, Was kostet eine Hochzeit in der Schweiz? Dein Budget-Leitfaden, 2024. https://www.eventbutler.ch/de/blog/kosten-hochzeit-schweiz-budget-leitfaden/ ↩ ↩2
-
WeddyPlace Magazin, Wer bezahlt traditionell wofür bei einer Hochzeit?, 2024. https://www.weddyplace.com/magazin/hilfe-wer-zahlt-traditionell-wofur-bei-einer-hochzeit/ ↩