
Eine kirchliche Trauung folgt einem festen Ablauf mit etwa 11 Elementen und dauert zwischen 30 und 90 Minuten, je nach Konfession und Gestaltung1. Der klassische Ablauf umfasst: Einzug des Brautpaares, Begrüßung durch den Pfarrer, Lieder und Gebete, Lesung aus der Bibel, Predigt zur Ehe, Traufragen und Ja-Wort, Ringtausch, Trausegen, Fürbitten und den feierlichen Auszug. Hier erfahren Sie die Details für evangelische, katholische und ökumenische Trauungen.
Der klassische Ablauf der kirchlichen Trauung
Jede kirchliche Trauung folgt einem bewährten liturgischen Rahmen. Die einzelnen Elemente können je nach Gemeinde und Konfession leicht variieren2.
1. Einzug (5-10 Minuten)
Das Brautpaar wird am Kirchenportal vom Pfarrer empfangen. Für den Einzug gibt es verschiedene Möglichkeiten:
- Gemeinsamer Einzug: Braut und Bräutigam ziehen zusammen ein
- Traditioneller Einzug: Die Braut wird vom Vater zum Altar geführt, während der Bräutigam bereits wartet
- Moderner Einzug: Beide werden von ihren Eltern begleitet
Der Einzug erfolgt zu Orgelmusik oder einem Instrumentalstück. Blumenkinder können vorausgehen und Blütenblätter streuen.
2. Begrüßung und Eröffnung
Der Pfarrer begrüßt das Brautpaar und die Gemeinde mit dem Votum. Bei der katholischen Trauung folgen das Kyrie (Herr, erbarme dich) und das Gloria-Lied3.
3. Gemeinsames Lied
Die Gemeinde singt ein erstes Kirchenlied. Beliebte Klassiker sind "Lobe den Herren" oder "Großer Gott, wir loben dich".
4. Lesung aus der Bibel
Ein Familienmitglied oder Freund kann die biblische Lesung übernehmen. Oft gewählte Texte sind das Hohelied der Liebe (1. Korinther 13) oder die Schöpfungsgeschichte.
5. Predigt/Ansprache (10-15 Minuten)
Der Pfarrer hält eine persönliche Ansprache zum Brautpaar. Im Vorfeld werden im Traugespräch wichtige Themen besprochen, die in die Predigt einfließen.
6. Traufragen
Der zentrale Moment der Zeremonie beginnt. Der Pfarrer stellt die Traufragen:
"Willst du [Name] als deine Frau/deinen Mann lieben und ehren, bis der Tod euch scheidet?"
Das Brautpaar antwortet mit "Ja" – evangelisch oft ergänzt durch "Ja, mit Gottes Hilfe".
7. Ringwechsel
Die Ringe werden gesegnet und das Paar steckt sich gegenseitig die Eheringe an. Dazu wird der Vermählungsspruch gesprochen.
Bei der katholischen Trauung legt der Priester anschließend die Stola um die ineinandergelegten Hände des Paares und spricht: "Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen"4.
8. Trausegen
Das Brautpaar kniet für den feierlichen Trausegen. Der Pfarrer spricht den Segen über die neue Ehe.
9. Fürbitten
Familienangehörige und Freunde können vorbereitete Fürbitten für das Brautpaar vortragen. Dies ist eine schöne Möglichkeit, Gäste aktiv einzubinden.
10. Vaterunser und Schlusssegen
Die Gemeinde betet gemeinsam das Vaterunser. Der Pfarrer erteilt den Schlusssegen.
11. Auszug
Das frisch vermählte Paar zieht unter Orgelklang und Glockengeläut aus der Kirche aus. Vor der Kirche werden sie von den Gästen empfangen – oft mit Reis, Blütenblättern oder Seifenblasen.
Evangelisch vs. Katholisch: Die Unterschiede
Die beiden großen Konfessionen haben unterschiedliche Traditionen und Regelungen für die kirchliche Trauung5:
| Aspekt | Evangelische Trauung | Katholische Trauung |
|---|---|---|
| Bedeutung | Kein Sakrament, "weltliches Ding" (Luther) | Eines der sieben Sakramente |
| Dauer | 30-45 Minuten | 45-60 Min. (mit Eucharistie bis 90 Min.) |
| Trauzeugen | Nicht vorgeschrieben, aber üblich | Pflicht (2 Personen, mind. 14 Jahre) |
| Eucharistie | Nicht Teil der Trauung | Optional (Trauungsmesse) |
| Wiederheirat | Möglich nach Scheidung | Nur nach Annullierung |
| Gemischte Ehen | Problemlos möglich | Mit Dispens möglich |
| Vorbereitung | Traugespräch | Ehevorbereitungskurs + Traugespräch |
Detaillierter Ablauf nach Konfession
Evangelische Trauung im Detail
Die evangelische Trauung ist ein Gottesdienst anlässlich der standesamtlichen Eheschließung. Nach Luthers Lehre ist die Ehe keine religiöse, sondern eine weltliche Einrichtung – die Kirche segnet sie jedoch1.
Besonderheiten:
- Traubekenntnis: Zwei Varianten sind möglich – die klassischen Traufragen oder die Erklärung, bei der das Paar einander ein Versprechen gibt
- Traubibel: Nach der Zeremonie wird dem Paar oft eine Traubibel überreicht
- Geschiedene: Eine zweite Ehe ist nach Absprache mit dem Pfarrer möglich
Typischer Ablauf (30-45 Minuten):
- Einzug mit Orgelmusik
- Eröffnung und Begrüßung
- Eingangsgebet
- Erstes Lied
- Lesung
- Ansprache
- Lied
- Traubekenntnis und Ringwechsel
- Trausegen
- Fürbitten
- Vaterunser
- Schlusslied
- Segen und Auszug
Katholische Trauung im Detail
Die katholische Kirche betrachtet die Ehe als Sakrament. Die Trauung kann als Wortgottesdienst oder als Heilige Messe mit Eucharistiefeier gefeiert werden3.
Besonderheiten:
- Ehevorbereitungskurs: In vielen Bistümern Pflicht
- Konsenserklärung: Das Brautpaar spendet sich das Sakrament gegenseitig
- Stolasegen: Der Priester legt die Stola um die Hände des Paares
- Trauzeugen Pflicht: Zwei Zeugen müssen anwesend sein
Typischer Ablauf Trauungsmesse (60-90 Minuten):
- Einzug und Begrüßung
- Kyrie und Gloria
- Tagesgebet
- Erste Lesung
- Antwortgesang
- Zweite Lesung
- Halleluja
- Evangelium
- Predigt
- Trauung: Befragung, Konsenserklärung, Ringsegnung, Vermählung
- Fürbitten
- Gabenbereitung
- Eucharistiefeier
- Vaterunser
- Friedensgruß
- Kommunion
- Trauungssegen
- Schlusssegen und Auszug
Ökumenische Trauung
Wenn ein Partner evangelisch und einer katholisch ist, gibt es zwei Möglichkeiten für eine "ökumenische" Trauung6:
- Evangelische Trauung mit katholischer Beteiligung: Die Zeremonie folgt der evangelischen Liturgie, ein katholischer Priester wirkt mit
- Katholische Trauung mit evangelischer Beteiligung: Die Zeremonie folgt der katholischen Liturgie, ein evangelischer Pfarrer wirkt mit
Wichtig: Der katholische Partner benötigt einen "Dispens von der Formpflicht", wenn die Trauung in der evangelischen Kirche stattfinden soll. Diesen erteilt das zuständige Bistum.
Eine echte ökumenische Liturgie im Sinne einer Verschmelzung beider Traditionen existiert kirchenrechtlich nicht.
Besonderheiten in Österreich und der Schweiz
Im deutschsprachigen Raum gelten unterschiedliche Regelungen für das Verhältnis von standesamtlicher und kirchlicher Trauung7:
| Land | Standesamt vor Kirche? | Rechtliche Grundlage |
|---|---|---|
| Deutschland | Seit 2009 nicht mehr Pflicht | Personenstandsgesetz 2009 |
| Österreich | Nicht mehr strafbar, aber Kirche erwartet es | VfGH-Entscheidung 1955 |
| Schweiz | Ja, gesetzlich vorgeschrieben | Schweizerisches ZGB |
In der Schweiz muss der Pfarrer vor der Trauung das Familienbüchlein (Nachweis der Ziviltrauung) einsehen. Eine rein kirchliche Trauung ohne vorherige Standesamtstrauung ist nicht gestattet.
In Österreich wurde die strafrechtliche Vorschrift 1955 aufgehoben, die Kirchen erwarten aber weiterhin die standesamtliche Eheschließung vor der kirchlichen Trauung.
In Deutschland ist seit 2009 keine standesamtliche Trauung vor der kirchlichen mehr gesetzlich vorgeschrieben. Die meisten Gemeinden halten jedoch an der traditionellen Reihenfolge fest.
Personalisierung der Zeremonie
Die kirchliche Trauung bietet mehr Gestaltungsspielraum als viele Paare denken. Diese Elemente können individualisiert werden:
Musik und Lieder
- Einzugsmusik (klassisch, modern oder beides)
- Lieder für die Gemeinde
- Solisten oder Chor für bestimmte Stücke
- Auszugsmusik
Tipp: Besprechen Sie Ihre Musikwünsche früh mit dem Organisten. Moderne Stücke sind oft möglich, wenn sie zum Anlass passen.
Lesungen
- Wahl des Bibeltextes aus verschiedenen Vorschlägen
- Familienangehörige oder Freunde als Lektoren
- Zusätzliche weltliche Lesung (nach Absprache)
Fürbitten
- Selbst formulierte Fürbitten
- Vortrag durch verschiedene Gäste
- Einbeziehung von Kindern
Eheversprechen
- Evangelisch: Eigenes Eheversprechen oft möglich
- Katholisch: Eigene Ergänzungen zum liturgischen Text nach Absprache
Dekoration
- Blumenschmuck (beachten Sie die Kosten der kirchlichen Hochzeit)
- Kerzen
- Kirchenbankschmuck
- Eingangsbereich
Praktische Tipps für den Ablauf
Vor der Trauung
- Traugespräch: Bereiten Sie sich auf das Gespräch mit dem Pfarrer vor. Überlegen Sie, welche Bibeltexte und Lieder Ihnen wichtig sind
- Probe: Vereinbaren Sie eine Probe in der Kirche, besonders für den Einzug
- Koordination: Bestimmen Sie einen Helfer, der am Tag die Fürbitten-Leser und Musiker koordiniert
Am Tag der Trauung
- Timing: Planen Sie mindestens 20 Minuten Puffer zwischen Standesamt und Kirche
- Fotografen-Regeln: Klären Sie vorab, ob und wann fotografiert werden darf
- Ringsicherheit: Bestimmen Sie eine Person, die die Ringe zum richtigen Zeitpunkt übergibt
- Taschentücher: Halten Sie welche bereit – Freudentränen sind garantiert
Nach der Trauung
- Empfang: Organisieren Sie den Spalier und eventuelle Überraschungen vor der Kirche
- Dokumente: Die Trauungsurkunde wird entweder sofort oder später ausgestellt
- Transport: Planen Sie die Fahrt zur Location für das Brautpaar und die Gäste
Informieren Sie sich auch über die Unterlagen für die kirchliche Hochzeit und den Ablauf im Standesamt, wenn Sie beides an einem Tag planen.
Quellen und Referenzen
Footnotes
-
Evangelisch.de, Der evangelische Traugottesdienst, 2023. https://www.evangelisch.de/inhalte/113543/23-06-2023/der-evangelische-traugottesdienst ↩ ↩2
-
Hochzeitsportal24, Kirchliche Trauung – Alle Antworten auf eure Fragen, 2024. https://www.hochzeitsportal24.de/ratgeber/kirchliche-trauung/ ↩
-
Weddingstyle, Katholische Trauung: Ablauf, Gestaltungstipps & Anmeldung, 2024. https://www.weddingstyle.de/katholische-trauung/ ↩ ↩2
-
Hochzeitdetail, Kirchliche Trauung Ablauf: Wichtigste Schritte einfach erklärt, 2024. https://hochzeitdetail.com/trauung/kirchliche-trauung-ablauf/ ↩
-
Kartenmacherei, Kirchliche Trauung: Heiraten mit Gottes Segen, 2024. https://www.kartenmacherei.de/magazin/hochzeit/kirchliche-trauung ↩
-
Kirchlich-heiraten.de, Konfessionsverschiedene Trauung, 2024. https://www.kirchlich-heiraten.de/vor-der-trauung/konfessions-verschiedene-trauung ↩
-
Kathbern.ch, Voraussetzungen und Fragen zur kirchlichen Hochzeit, 2024. https://www.kathbern.ch/kathbernch/lebensstationen/hochzeit/voraussetzungen-und-fragen ↩