
In Deutschland zahlen über 75% der Paare ihre Hochzeit vollständig selbst (Stand 2024).1 Nur etwa ein Sechstel erhält finanzielle Unterstützung von den Eltern, meist als Teilbeitrag. Die traditionelle Regelung – Brauteltern zahlen alles – ist weitgehend überholt. Die durchschnittlichen Kosten betragen 15.452 Euro in Deutschland, CHF 35.000–40.000 in der Schweiz und 10.000–30.000 Euro in Österreich.2 Moderne Paare finanzieren ihre Feier eigenständig oder teilen Kosten transparent mit beiden Familien.
Die moderne Realität: Paare zahlen selbst
Über drei Viertel der Brautpaare im deutschsprachigen Raum tragen alle Hochzeitskosten selbst – das zeigt die WeddyPlace Hochzeitsstudie 2024 mit 634 befragten Paaren.1 Etwa ein Sechstel erhält finanzielle Unterstützung von den Eltern, allerdings meist nur als Teilbeitrag für einzelne Posten wie das Brautkleid oder die Musik. Weniger als 2% der Paare lassen ihre Hochzeit vollständig von den Eltern finanzieren.
Dieser Wandel hat mehrere Gründe: Moderne Paare heiraten deutlich später als frühere Generationen – oft mit 30 Jahren oder älter – und stehen bereits finanziell auf eigenen Füßen. Sie haben eigene Vorstellungen von ihrer Traumhochzeit und möchten unabhängig entscheiden, ohne dass finanzielle Zuwendungen zu Mitspracherecht der Eltern führen.
Wichtig zu wissen: Laut der Studie nehmen nur etwa 5% der Paare einen Hochzeitskredit auf. Die meisten planen ihre Feier im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten und sparen gezielt im Vorfeld.1
Die traditionelle Kostenverteilung
Nach alter Tradition tragen die Brauteltern den Großteil der Hochzeitskosten, während die Familie des Bräutigams sich nur an wenigen Posten beteiligt.3 Diese Regelung stammt aus Zeiten, als Töchter häufig kein eigenes Einkommen hatten.
| Wer | Was (traditionell) |
|---|---|
| Brauteltern | Location, Catering, Einladungen, Brautkleid, Hochzeitstorte, Dekoration, Fotograf |
| Bräutigam-Familie | Hochzeitsreise, Blumen, Anzug, Probeessen, Getränke |
| Bräutigam | Eheringe, Brautstrauß, Standesamt |
Diese Aufteilung ist heute weitgehend überholt und wird nur noch von wenigen Familien praktiziert.
Drei moderne Finanzierungsmodelle
Modell 1: Vollständige Eigenfinanzierung (75%+ der Paare)
Vorteile:
- Maximale Entscheidungsfreiheit bei allen Details
- Keine Verpflichtung zu Kompromissen
- Klare Budgetkontrolle ohne externe Erwartungen
Nachteile:
- Höhere finanzielle Belastung für das Paar
- Eventuell längere Sparphase nötig
Für wen geeignet: Paare mit stabilem Einkommen, klarer Vision und Wunsch nach Unabhängigkeit.
Modell 2: Hybridmodell mit Familienbeteiligung
Vorteile:
- Größeres Gesamtbudget möglich
- Familien können Wertschätzung zeigen
- Finanzielle Entlastung des Paares
Nachteile:
- Potenzielle Konflikte über Mitspracherecht
- Klare Absprachen vorab notwendig
Für wen geeignet: Paare mit kommunikativen Familien, die klare Grenzen setzen können.
Modell 3: Gezielte Kostenpunkte als Geschenk
Eltern übernehmen konkrete Posten (z.B. Fotograf, Brautkleid) statt pauschaler Geldsummen. Das schafft emotionale Verbindung zu bestimmten Elementen und klare Zuordnung ohne Budgetdiskussionen.
Hochzeitskosten im DACH-Vergleich 2024/2025
Die Kosten einer Hochzeit variieren deutlich zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz.
| Kostenpunkt | Deutschland | Österreich | Schweiz |
|---|---|---|---|
| Durchschnitt gesamt | 15.452 €1 | 10.000–30.000 €4 | CHF 35.000–40.0002 |
| Location & Catering | 7.804 € | 5.000–15.000 € | CHF 20.000–30.000 |
| Fotografie | 1.667 € | 1.200–2.500 € | CHF 3.500–6.000 |
| Musik/DJ | 1.357 € | 800–1.800 € | CHF 1.500–3.000 |
| Brautkleid | 1.358 € | 1.000–2.500 € | CHF 2.000–4.000 |
| Kosten pro Gast | 150–300 € | 120–250 € | CHF 150–300 |
Regionale Besonderheiten
Deutschland: 25% der Paare geben unter 10.000 Euro aus, während die obersten 10% mehr als 26.000 Euro investieren.1
Österreich: Breite Preisspanne je nach Region. In Wien und Salzburg liegen die Kosten höher als in ländlichen Gebieten. Besonderheit: Der rechtliche Anspruch auf „Ausstattung" (siehe unten).
Schweiz: Das höchste Preisniveau in Europa macht die Schweiz zum teuersten Land für Hochzeiten. Catering kostet CHF 150–300 pro Person.2
Regionale Traditionen: Deutschland, Österreich, Schweiz
Deutschland: Moderne Flexibilität
In Deutschland dominiert die Eigenfinanzierung, regionale Traditionen spielen eine untergeordnete Rolle. Der Polterabend wird häufig von Freunden organisiert, wobei die Kosten geteilt oder vom Freundeskreis getragen werden. Die Trauzeugen organisieren und finanzieren traditionell den Junggesellenabschied (JGA).5
Österreich: Der Rechtsanspruch auf „Ausstattung"
Österreich ist das einzige DACH-Land mit einem gesetzlichen Anspruch auf finanzielle Unterstützung zur Hausstandsgründung.6 Kinder können anlässlich ihrer Erstehe eine „Ausstattung" von den Eltern fordern – unabhängig vom Alter. Die Höhe richtet sich nach den Einkommens- und Vermögensverhältnissen der Eltern und beträgt etwa 25–30% des jährlichen Wertzuwachses.
Wichtig: Dieser Anspruch dient der Hausstandsgründung (Möbel, Haushaltsgeräte), nicht der Hochzeitsfeier selbst. Kosten für die Feier werden nicht auf die Ausstattung angerechnet.
Schweiz: Hohe Kosten, geteilte Verantwortung
In der Schweiz ist die traditionelle Aufteilung noch stärker verankert als in Deutschland, wird aber zunehmend aufgeweicht. Moderne Schweizer Paare finanzieren ihre Hochzeit selbst, wobei beide Elternteile gerne einzelne Posten als Geschenk übernehmen.
Die Ziviltrauung kostet in der Schweiz CHF 300–400, deutlich mehr als in Deutschland oder Österreich.2
Das Geldgespräch mit den Familien
Das Gespräch über Geld gehört zu den heikelsten Aspekten der Hochzeitsplanung – eine offene, frühzeitige Kommunikation verhindert Konflikte.
Schritt 1: Eigenes Budget definieren
Bevor ihr eure Eltern ansprecht, solltet ihr wissen:
- Wie viel könnt ihr selbst stemmen?
- Welche Prioritäten habt ihr (Location vs. Fotograf vs. Kleid)?
- Welche Hochzeit wollt ihr – unabhängig vom Budget?
Schritt 2: Das Gespräch frühzeitig führen
Idealerweise sprecht ihr 12–18 Monate vor der Hochzeit mit beiden Elternpaaren. Ein möglicher Einstieg:
„Wir planen unsere Hochzeit und haben ein Budget von X Euro eingeplant. Wir möchten wissen, ob ihr euch vorstellen könnt, uns finanziell zu unterstützen – ohne dass ihr euch verpflichtet fühlt."
Schritt 3: Erwartungen klären
Macht transparent, was finanzielle Unterstützung bedeutet:
- Möchtet ihr das Geld vorab oder als Geschenk nach der Hochzeit?
- Welche Mitspracherechte erwarten die Eltern?
- Gibt es bestimmte Posten, die sie übernehmen möchten?
Wichtiger Grundsatz: Je mehr jemand zahlt, desto mehr Mitspracherecht wird er oder sie erwarten. Besprecht vorab, wie viel Einfluss ihr zulassen möchtet.7
Was tun bei unterschiedlich situierten Familien?
Eine häufige Herausforderung: Eine Familie kann großzügig beitragen, die andere nicht.
- Transparenz: Sprecht offen an, dass finanzielle Möglichkeiten unterschiedlich sind
- Alternative Beiträge: Zeit, Arbeitskraft oder Sachleistungen (Deko basteln, Kuchen backen)
- Keine Vergleiche: Vermeidet Sätze wie „Die anderen zahlen mehr"
- Gleiche Wertschätzung: Zeigt beiden Familien gleiche Anerkennung
Die 7 häufigsten Fehler bei der Hochzeitsfinanzierung
1. Keinen Puffer einplanen
Fehler: Ihr kalkuliert exakt 15.000 Euro und gebt 15.000 Euro aus – ohne Reserve.
Lösung: Plant 10–15% Puffer für unvorhergesehene Kosten ein.8
2. Mit Geldgeschenken rechnen
Fehler: Ihr geht davon aus, dass Geldgeschenke der Gäste die Kosten decken werden.
Lösung: Plant niemals mit Geldgeschenken als festen Einnahmen. Sie sind ein Bonus, keine Finanzierungsquelle.
3. Versteckte Kosten übersehen
Fehler: Ihr vergesst Kleinigkeiten wie Trinkgelder, Fahrtkosten, Übernachtungen, Probeessen.
Lösung: Erstellt eine detaillierte Checkliste aller Posten. Trinkgelder summieren sich schnell auf 500–1.000 Euro.
4. Keine klaren Verträge mit Dienstleistern
Fehler: Ihr übersieht Details zu Stornierung, Überstunden, Anzahlungen.
Lösung: Lest Verträge gründlich, klärt Extrakosten und haltet alles schriftlich fest.
5. DIY-Kosten unterschätzen
Fehler: „Wir machen die Deko selbst und sparen 500 Euro" – am Ende kostet Material 400 Euro und ihr verliert 40 Stunden.
Lösung: Rechnet realistisch: Material + Zeit + Nerven. Manchmal ist der Profi günstiger.
6. Zu spät mit der Planung beginnen
Fehler: Ihr sucht 6 Monate vor der Hochzeit eine Location – die besten sind ausgebucht.
Lösung: Startet 12–18 Monate im Voraus. Beliebte Locations sind schnell vergeben.9
7. Eltern zahlen lassen, ohne Grenzen zu setzen
Fehler: Eure Eltern zahlen die Location – und laden plötzlich 30 zusätzliche Gäste ein.
Lösung: Klärt vorab: Wer zahlt, hat Mitspracherecht – aber nur in definierten Bereichen.
Quellen und Referenzen
Footnotes
-
WeddyPlace (2024). Die große Hochzeitsstudie 2024. https://www.weddyplace.com/de/hochzeitsstudie/2024 ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
-
Fotichaschte (2024). Was kostet eine Hochzeit? Hochzeitskosten Checkliste 2024. https://fotichaschte.ch/post/was-kostet-eine-hochzeit-checkliste/ ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Hochzeitstraum (2024). Wer zahlt die Hochzeit - Tradition & moderne Regelung. https://hochzeitstraum.net/wer-zahlt-die-hochzeit/ ↩
-
Austria Wedding (2024). „Wer bezahlt die Hochzeit?" – Ein Kosten-Guide. https://www.austriawedding.at/hochzeitsblog-oesterreich/wer-bezahlt-die-hochzeit-ein-kosten-guide ↩
-
WeddyPlace (2024). Wer zahlt eine Hochzeit? https://www.weddyplace.com/magazin/wer-zahlt-eine-hochzeit/ ↩
-
PM Anwälte (2018). Heiratsgut: Was müssen die Eltern beisteuern? https://www.pm-anwaelte.at/de/publikationen/paragraphen-mehr/nr-2-juni-2018/heiratsgut-was-muessen-die-eltern-beisteuern ↩
-
WeddyPlace (2024). Hilfe, wer zahlt traditionell wofür bei einer Hochzeit? https://www.weddyplace.com/magazin/hilfe-wer-zahlt-traditionell-wofur-bei-einer-hochzeit/ ↩
-
WeddyBird (2024). 7 Fehler bei der Hochzeitsplanung. https://weddybird.com/magazin/planung/fehler-hochzeitsplanung ↩
-
Festlicher (2024). Die 10 häufigsten Fehler bei der Hochzeitsplanung. https://www.festlicher.com/die-10-haeufigsten-fehler-bei-der-hochzeitsplanung/ ↩