
Die standesamtliche Trauung dauert 15-30 Minuten und folgt einem festen, gesetzlich geregelten Ablauf nach §1310 bis §1312 BGB1. Der Ablauf gliedert sich in neun Schritte: Einzug des Brautpaars, Begrüßung durch den Standesbeamten, persönliche Ansprache, Verlesung der Traufragen, Ja-Wort, optionaler Ringtausch, Unterzeichnung des Eheregisters, offizielle Verkündung der Eheschließung und Gratulation. Während der gesetzliche Kern nicht verändert werden kann, lassen sich persönliche Elemente wie Musik, Dekoration und eigene Worte nach der offiziellen Zeremonie einbringen. Der genaue Ablauf variiert leicht zwischen den Bundesländern und Standesämtern, folgt aber bundesweit dem gleichen rechtlichen Rahmen des Personenstandsgesetzes2.
Ablauf der standesamtlichen Trauung Schritt für Schritt
Die Zeremonie folgt einem strukturierten Ablauf, der rechtliche Anforderungen mit persönlichen Momenten verbindet. Jeder Schritt hat seinen festen Platz und seine Funktion für die Gültigkeit der Eheschließung.
| Schritt | Beschreibung | Dauer |
|---|---|---|
| 1. Einzug | Brautpaar betritt den Trauraum, oft begleitet von Musik | 1-2 Min. |
| 2. Begrüßung | Standesbeamter heißt Brautpaar und Gäste willkommen | 2-3 Min. |
| 3. Ansprache | Persönliche Worte des Standesbeamten zur Bedeutung der Ehe | 3-5 Min. |
| 4. Verlesung der Personalien | Bestätigung der Identität und der vorgelegten Dokumente | 1-2 Min. |
| 5. Traufragen | Gesetzlich vorgeschriebene Fragen an beide Partner | 2-3 Min. |
| 6. Ja-Wort | Beide Partner antworten mit "Ja" oder "Ja, ich will" | 1 Min. |
| 7. Ringtausch | Optional: Austausch der Eheringe mit kurzen Worten | 2-3 Min. |
| 8. Unterzeichnung | Eintragung ins Eheregister, Unterschriften von Brautpaar und ggf. Trauzeugen | 3-4 Min. |
| 9. Verkündung & Gratulation | Offizielle Erklärung "Sie sind jetzt rechtmäßig verheiratet", Kuss, Gratulationen | 2-3 Min. |
Die Ansprache des Standesbeamten bildet einen wichtigen persönlichen Moment innerhalb des formellen Rahmens. Viele Standesbeamte gestalten diese individuell und gehen auf die Geschichte des Paares ein, wenn diese vorab Informationen bereitgestellt haben3. Die Länge und Ausführlichkeit variiert nach Standesamt und gewählter Zeremonievariante.
Die Traufragen sind der rechtlich entscheidende Moment der Zeremonie. Der Standesbeamte fragt beide Partner einzeln, ob sie die Ehe miteinander eingehen wollen. Die genaue Formulierung ist gesetzlich nicht festgelegt, folgt aber traditionellen Mustern wie "Wollen Sie die hier anwesende [Name] heiraten?" oder "Sind Sie bereit, die Ehe mit [Name] einzugehen?"4. Erst mit dem beidseitigen "Ja" ist die Ehe rechtsgültig geschlossen, noch vor der Unterzeichnung.
Nach den Traufragen folgt optional der Ringtausch. Obwohl er keine rechtliche Bedeutung hat, wird er von etwa 92% der Paare durchgeführt5. Die Partner können dabei kurze persönliche Worte sprechen oder einfach schweigend die Ringe tauschen. Dieser Moment ist für viele Paare emotional der Höhepunkt der Zeremonie.
Die Unterzeichnung im Eheregister ist der formelle Abschluss. Das Brautpaar und gegebenenfalls die Trauzeugen unterschreiben auf dem Tablet oder in einem Registerbuch. Dieser Akt dokumentiert die Eheschließung rechtsgültig nach dem Personenstandsgesetz2. Unmittelbar danach verkündet der Standesbeamte die Ehe als geschlossen und überreicht oft bereits eine erste Heiratsurkunde.
Dauer der standesamtlichen Zeremonie
Die Gesamtdauer hängt von der gewählten Zeremonievariante und den persönlichen Elementen ab. Die meisten Standesämter bieten verschiedene Pakete an, die sich in Länge und Gestaltungsmöglichkeiten unterscheiden.
| Variante | Dauer | Inhalt | Für wen geeignet |
|---|---|---|---|
| Kurze Zeremonie | 15 Min. | Gesetzlicher Mindestablauf ohne Ansprache, keine Musik | Paare, die nur die rechtliche Form wünschen oder eine große kirchliche Hochzeit planen |
| Standard-Zeremonie | 20-25 Min. | Mit persönlicher Ansprache, Musik beim Ein-/Auszug, Ringtausch | Die häufigste Wahl für Paare mit klassischem Ablauf |
| Erweiterte Zeremonie | 30+ Min. | Ausführliche Ansprache, mehrere Musikstücke, eigene Worte des Paares möglich | Paare, für die die standesamtliche Trauung die Hauptfeier ist |
Die kurze Variante konzentriert sich auf das rechtlich Notwendige: Begrüßung, Traufragen, Ja-Wort und Unterzeichnung. Einige Standesämter bieten diese als "stille Trauung" an, besonders für Paare, die im Anschluss eine größere kirchliche oder freie Trauung planen. Sie ist auch bei sehr kleinen Budgets beliebt, da sie oft günstiger ist als erweiterte Varianten6.
Die Standard-Zeremonie entspricht der klassischen Vorstellung einer standesamtlichen Trauung. Der Standesbeamte hält eine drei- bis fünfminütige Ansprache über die Ehe, oft mit Bezug auf die Geschichte des Paares. Musik zum Einzug und Auszug schafft einen feierlichen Rahmen. Diese Variante wird von etwa 68% der Paare in Deutschland gewählt5.
Erweiterte Zeremonien erlauben mehr persönliche Gestaltung. Nach der offiziellen Trauung können die Partner eigene Gelübde oder Worte aneinander sprechen. Live-Musik während der Zeremonie, etwa ein Lied nach dem Ringtausch, ist nach Absprache möglich. Manche Standesämter bieten auch besondere Locations wie historische Räume, Gärten oder Schiffe an, was zusätzliche Zeit für Ortswechsel einplanen sollte3.
Faktoren, die die Dauer beeinflussen, sind neben der Zeremonievariante auch die Anzahl der Gäste (mehr Gratulationen), die Entscheidung für oder gegen Trauzeugen (zusätzliche Unterschriften), technische Elemente wie Beamer-Präsentationen und die Anzahl der Musikstücke. Fotografen sollten wissen, dass viele Standesämter während der Zeremonie nur von festen Positionen aus fotografieren lassen7.
Personalisierungsmöglichkeiten der Zeremonie
Innerhalb des gesetzlichen Rahmens lassen sich persönliche Akzente setzen. Die Möglichkeiten variieren nach Standesamt, aber die meisten erlauben heute individuelle Gestaltungselemente.
Eigene Worte und Gelübde: Nach der offiziellen Trauung, also nach dem Ja-Wort und vor oder nach dem Ringtausch, können Paare eigene Worte sprechen. Diese sollten kurz sein (je 1-2 Minuten pro Person) und mit dem Standesbeamten vorab abgesprochen werden8. Während der gesetzlich vorgeschriebenen Traufragen sind keine eigenen Formulierungen möglich, da die rechtliche Gültigkeit an die korrekte Form gebunden ist.
Musik: Die meisten Standesämter erlauben Musik beim Einzug des Brautpaars und beim Auszug nach der Zeremonie. Live-Musik wie ein Streichquartett oder Pianist ist beliebter geworden und wird von etwa 35% der Paare gewählt5. Alternativ kann eine Playlist über die Anlage des Standesamts oder eigene Lautsprecher abgespielt werden. Manche Standesämter erlauben auch ein zusätzliches Musikstück während der Zeremonie, etwa nach dem Ringtausch. Die Musikauswahl sollte zwei Wochen vor dem Termin beim Standesamt eingereicht werden.
Dekoration des Trauzimmers: Die Gestaltungsmöglichkeiten hängen stark vom jeweiligen Standesamt ab. Üblich und fast überall erlaubt sind Blumensträuße auf den Tischen und am Rednerpult. Einige Standesämter erlauben auch Stuhlhussen, Kerzen (meist LED aus Brandschutzgründen) oder Dekoration am Eingang3. Große Dekorationen wie Blumenbögen sind meist nur in größeren Räumen oder bei Outdoor-Locations möglich. Die Dekoration muss in der Regel eine Stunde vor der Zeremonie aufgebaut und direkt danach wieder entfernt werden.
Anzahl und Auswahl der Gäste: Während die Gästeanzahl durch die Raumgröße begrenzt ist, können Paare frei wählen, wen sie einladen. Manche entscheiden sich bewusst für eine ganz kleine Runde mit nur den Trauzeugen oder engsten Familienmitgliedern und feiern später größer. Andere nutzen die Kapazität voll aus. Die maximale Gästezahl sollte beim Standesamt erfragt werden – sie variiert von 10-15 Personen in kleinen Räumen bis zu 80 in großen Festsälen9.
Wahl des Standesbeamten: In einigen Städten kann man eine Präferenz für einen bestimmten Standesbeamten äußern, besonders wenn man jemanden persönlich kennt oder Empfehlungen gehört hat. Eine Garantie gibt es meist nicht, aber viele Standesämter versuchen, Wünsche zu berücksichtigen6.
Besondere Locations: Neben dem klassischen Trauzimmer bieten viele Standesämter Außentrauungen in Parks, auf Schlössern, in historischen Gebäuden oder sogar auf Schiffen an. Diese Optionen kosten meist einen Aufpreis von 100-300 Euro6 zusätzlich zur regulären Gebühr und müssen frühzeitig gebucht werden, da sie besonders in der Hochzeitssaison schnell ausgebucht sind.
Unterschiede im deutschsprachigen Raum
Obwohl der Grundablauf ähnlich ist, gibt es rechtliche und praktische Unterschiede zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Deutschland: Die Eheschließung ist in §1310 bis §1312 BGB und im Personenstandsgesetz geregelt12. Trauzeugen sind seit 1998 nicht mehr verpflichtend, können aber gewählt werden. Die Zeremonie muss in einem offiziellen Trauzimmer oder einer vom Standesamt genehmigten Location stattfinden. Seit 2009 ist auch die Namensführung flexibler: Jeder Partner kann seinen Namen behalten, einen gemeinsamen Ehenamen wählen oder einen Doppelnamen führen1. Die Anmeldung zur Eheschließung muss mindestens sechs Monate vor dem Wunschtermin erfolgen, in beliebten Standesämtern oft noch früher.
Österreich: Die Eheschließung folgt ähnlichen Prinzipien, wird aber vom Standesamt oder Magistrat durchgeführt. Auch hier sind Trauzeugen seit 1938 nicht mehr vorgeschrieben, werden aber von vielen Paaren gewählt. Die Zeremonie ist oft etwas kürzer als in Deutschland, mit einer Durchschnittsdauer von 15-20 Minuten10. Die Gebühren variieren stark nach Gemeinde und betragen zwischen 50 und 200 Euro für die Grundzeremonie. Personalisierungen wie Musik oder besondere Locations kosten zusätzlich. Die Heiratsurkunde wird in der Regel direkt nach der Zeremonie ausgehändigt.
Schweiz: Die Eheschließung findet beim Zivilstandsamt statt und folgt dem Schweizerischen Zivilgesetzbuch (Art. 97-103 ZGB)11. Zwei Trauzeugen sind obligatorisch und müssen volljährig sein. Die Zeremonie ist formeller und standardisierter als in Deutschland, mit weniger Raum für Personalisierung. Die Ziviltrauung dauert typischerweise 15-20 Minuten. Nach der Anmeldung muss eine Vorbereitungsfrist von 10 Tagen eingehalten werden. Die Gebühren liegen je nach Kanton zwischen 100 und 400 CHF. Besondere Locations außerhalb des Zivilstandsamts sind seltener und müssen speziell beantragt werden.
Ein weiterer Unterschied betrifft die Namensführung: In Deutschland ist die gemeinsame Namensführung optional, in der Schweiz behalten beide Partner standardmäßig ihren Namen, können aber einen gemeinsamen Ehenamen bestimmen11. In Österreich ist die Regelung ähnlich flexibel wie in Deutschland.
Praktische Tipps für den Tag der Trauung
Die richtige Vorbereitung sorgt dafür, dass die Zeremonie reibungslos abläuft und ein schöner Moment bleibt.
Zeitplanung: Erscheinen Sie mindestens 15 Minuten vor dem Termin am Standesamt. Standesämter haben einen straffen Zeitplan mit mehreren Trauungen pro Tag. Verspätungen können dazu führen, dass der Termin entfällt und Sie neu buchen müssen9. Planen Sie auch die Anfahrt großzügig ein, besonders bei Trauungen in beliebten Standesämtern in Innenstädten, wo Parkplätze knapp sein können.
Dokumente: Nehmen Sie beide Personalausweise oder Reisepässe mit. Falls Sie Trauzeugen haben, benötigen auch diese ihre Ausweisdokumente. Alle Dokumente zur Eheschließung sollten bereits bei der Anmeldung eingereicht worden sein, aber ein zusätzlicher Check schadet nicht2.
Dresscode: Es gibt keine Vorschriften, aber die meisten Paare wählen festliche Kleidung. Klassisch sind ein Anzug für den Bräutigam und ein Kleid oder Hosenanzug für die Braut. Weiße Brautkleider sind erlaubt und werden von etwa 45% der Bräute auch beim Standesamt getragen5. Bei Outdoor-Locations sollte die Kleidung an das Wetter angepasst sein.
Fotografen und Video: Klären Sie vorab, ob und von wo aus fotografiert werden darf. Viele Standesämter erlauben Fotografen nur von bestimmten Positionen aus, um den Ablauf nicht zu stören7. Manche Standesämter bieten eigene Fotografen an oder haben eine Liste empfohlener Dienstleister. Videoaufnahmen sind oft restriktiver geregelt als Fotos.
Ringauswahl: Wenn Sie Ringe tauschen möchten, üben Sie vorab das Anstecken. Nervosität kann dazu führen, dass Ringe nicht gleich passen. Der Ringtausch findet meist im Stehen statt, was ungewohnt sein kann. Manche Paare legen die Ringe auf einem kleinen Kissen bereit, das ein Trauzeuge oder Kind bereithält.
Nach der Zeremonie: Nach der offiziellen Verkündung haben Sie meist 5-10 Minuten Zeit für Fotos im Trauzimmer, bevor das nächste Paar vorbereitet wird. Planen Sie die Gratulationen und Gruppenfotos besser vor dem Standesamt oder an einer anderen Location. Die Heiratsurkunde wird oft direkt ausgehändigt oder kann am nächsten Werktag abgeholt werden. Weitere beglaubigte Kopien können gegen Gebühr bestellt werden.
Namensänderung: Falls Sie Ihren Namen ändern, beginnt danach der administrative Prozess. Personalausweis, Reisepass, Führerschein, Bankkarten und Versicherungen müssen geändert werden. Die Heiratsurkunde dient dabei als Nachweis. Viele Paare erledigen die wichtigsten Änderungen in den ersten zwei Wochen nach der Hochzeit.
Emotionale Vorbereitung: Auch wenn die standesamtliche Trauung kürzer und formeller ist als eine kirchliche oder freie Zeremonie, ist sie emotional oft intensiver als erwartet. Das Ja-Wort vor dem Standesbeamten macht die Ehe rechtlich real. Taschentücher sind auch hier eine gute Idee – für Sie selbst und Ihre Gäste.
Quellen und Referenzen
Footnotes
-
Bundesministerium der Justiz, §1310-1312 BGB: Eheschließung, dejure.org, 2024. https://dejure.org/gesetze/BGB/1310.html ↩ ↩2 ↩3
-
Bundesministerium des Innern, Personenstandsgesetz (PStG), gesetze-im-internet.de, 2024. https://www.gesetze-im-internet.de/pstg/ ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Standesamt Berlin, Ablauf der Eheschließung, berlin.de, 2024. https://www.berlin.de/standesaemter/ ↩ ↩2 ↩3
-
Standesamt München, Trauung im Standesamt: Ablauf und Gestaltung, muenchen.de, 2024. https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Kreisverwaltungsreferat/Standesamt.html ↩
-
Statista, Hochzeitsstatistik Deutschland 2024, statista.com, 2024. https://de.statista.com/themen/hochzeit/ ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Service BW, Eheschließung: Kosten und Ablauf, service-bw.de, 2024. https://www.service-bw.de/leistung/-/sbw/Eheschliessung-6000042-leistung-0 ↩ ↩2 ↩3
-
Standesamt Hamburg, Fotografieren bei der Trauung, hamburg.de, 2024. https://www.hamburg.de/standesaemter/ ↩ ↩2
-
Bundesverband der Standesbeamtinnen und Standesbeamten, Gestaltung der Trauung, bds-ev.de, 2023. https://www.bds-ev.de/ ↩
-
Stadt Köln, Häufig gestellte Fragen zur Eheschließung, stadt-koeln.de, 2024. https://www.stadt-koeln.de/service/standesamt/ ↩ ↩2
-
Oesterreich.gv.at, Vor der Heirat: Anmeldung zur Eheschließung, oesterreich.gv.at, 2024. https://www.oesterreich.gv.at/themen/familie_und_partnerschaft/partnerschaft-und-ehe/heirat/3.html ↩
-
Schweizerische Eidgenossenschaft, Heiraten in der Schweiz, ch.ch, 2024. https://www.ch.ch/de/familie-und-partnerschaft/heirat--konkubinat--partenariat/heiraten/ ↩ ↩2